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Sinn & Gesundheit - untrennbar in der Logotherapie

Beim Thema Gesundheit und gesunde Lebensgestaltung denken viele zuerst an vollwertige Ernährung, Bewegung und Sport. Seit den Erkenntnissen der Stressforschung in den 1960er Jahren ist ein weiterer wichtiger Faktor für Gesundheit bekannt: je nachdem, welche Disziplin sich damit beschäftigt, wird dieser als „Resilienz“, „seelische Widerstandskraft“ oder „Trotzmacht des Geistes“ bezeichnet. Die Sinnfrage spielt bei der Entwicklung dieser Fähigkeit stets eine zentrale Rolle. Der Sinn ist Antrieb, hilft uns mit Schwierigkeiten im Leben umzugehen und fördert Wohlergehen und Gesundheit.

Der Wiener Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl (1905 – 1997) war davon überzeugt, dass ein Sinn- und Werteverlust die Entstehung von psychischen und körperlichen Krankheiten begünstigt. Sein Psychotherapie-Konzept der Logotherapie (griech. lógos = Sinn, Vernunft) ist daher eine sinnzentrierte Therapie und beruht auf philosophischen Grundgedanken.

Die Logotherapie geht durch die Sinnperspektive über die rein körperlichen und seelischen Dimensionen der Heilung hinaus und wirkt daher tiefgehend – vor allem wenn es sich um existenzielle Fragestellungen handelt. Sie stellt eine therapeutische Grundhaltung dar, die sich durch eine ganzheitliche Sichtweise auf den Menschen auszeichnet. Der Beratungssuchende wird in der Logotherapie durch vielfältige und individuell eingesetzte Therapie-Methoden dabei unterstützt, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren und Sinnmöglichkeiten zu verwirklichen.

Der Zusammenhang von Gesundheit und Psyche

Gesundheit wird laut Verfassung der World Health Organization WHO (1946) nicht als das Fehlen von Krankheit definiert, sondern es werden neben körperlichen Aspekten ebenso geistige und soziale Faktoren in die Definition von Gesundheit miteinbezogen. Demnach ist die Gesundheit des Menschen von zahlreichen Einflüssen abhängig. Seit der weltweiten Alma-Ata Erklärung der WHO (1978) gilt der Grundsatz „Gesundheit für alle“. Seither gibt es viele Bemühungen, die Gesundheit in der Bevölkerung durch unterschiedliche Konzepte voranzubringen. Die ganzheitliche Betrachtungsweise sowie eine Schwerpunktsetzung auf Gesundheitsförderung neben Prävention und Therapie, rücken dabei immer mehr in den Mittelpunkt von nationalen und internationalen Gesundheitsprojekten.

Je nach Fachrichtung, die sich Gesundheitsthemen widmet (wie Biologie, Psychologie, Soziologie oder Philosophie) gibt es unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in der Entwicklung von gesundheitsbezogenen Modellen und Erklärungsversuchen. Zwei integrative und mehrperspektivische Erklärungsmodelle von Gesundheit sind das Salutogenesemodell nach dem Soziologen Aaron Antonovsky (1979) und das Sozialisationstheoretische Gesundheitsmodell nach dem Sozial- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann (2010). In beiden Modellen wird deutlich, wie vielschichtig (bio-öko-psycho-sozial) Gesundheit beeinflusst wird und in beiden Modellen spielt auch die Psyche des Menschen (neben somatischen, sozialen oder ökologischen Faktoren) eine entscheidende Rolle im lebenslangen „Pendel-Prozess“ zwischen Gesundheit und Krankheit. In diesem prozesshaften Verständnis von Gesundheit und Krankheit sind diese beiden Größen als Pole einer gemeinsamen Linie zu verstehen. Diese Auffassung ist das Gegenteil eines eindimensionalen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnisses.

In zahlreichen Studien wurde bereits die Wechselwirkung zwischen Psyche und Immunsystem bzw. zwischen psychischen Faktoren und Gesundheit belegt (Grossarth-Maticek 2003). Es gilt heute, trotz vorherrschender Orientierung am schulmedizinischen System, als akzeptierte Meinung, dass Maßnahmen zur psychische Stabilisierung und ein umsichtiger Umgang mit Stressfaktoren den Gesundheitszustand eines Menschen in erheblichen Maße positiv beeinflussen können.

Aus diesem Wissen heraus wurde schon vor über hundert Jahren ein Begriff für diese positive gesundheitsfördernde Beeinflussung geschaffen: „Psychohygiene“ (aus dem Griechischen: psyche = Hauch, Atem Leben; hygieine = der Gesundheit zuträgliche Wissenschaft). Er bezeichnet eine Zusammenfassung aller präventiven Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der seelisch/geistigen Gesundheit und ist ein Teilgebiet der angewandten Psychologie. Der Begriff selbst stammt aus der Sozialpsychiatrie und wurde im europäischen Raum von dem Schweizer Arzt und Psychoanalytiker Heinrich Meng als eigenständiges Lehrfach im Bereich der Sozialpsychiatrie eingeführt (Zsok 2012).

Psychohygienische Maßnahmen sind dann besonders erfolgreich, wenn sie aus einer geistigen Grundhaltung heraus verfolgt werden (Rattner & Danzer 2008). Das belegen auch zahlreiche Ergebnisse der modernen Hirnforschung zum Thema Motivation und Zusammenhang zwischen Denken und körperlichen Faktoren.

Das Verständnis von Psychohygiene, wie Viktor Frankl es einführte, ist philosophisch-anthropologisch (Wissenschaft von der Weisheit und vom Menschen) begründet. Aus logotherapeutischer Sicht ist das Lebenszentrum eines Menschen der Sinn. Aus diesem Zentrum heraus lebt er und kann dadurch Energie und Lebensfreude gewinnen, so dass sein Leben für ihn verstehbar und bedeutungsvoll wird. Über diesen Sinn erfährt der Mensch seinen Selbstwert und lernt dadurch auch sein Umfeld in seinem Wert zu erkennen und zu schätzen. Diese Abläufe sind wichtige psychohygienische Vorgänge, da die (positive) Einstellung zum eigenen Leben sowie die Einstellung zur lebensnahen Umwelt aus psychohygienischer Sicht wesentliche Einflussfaktoren für die seelische Gesundheit darstellen (Frankl 2011, Rattner & Danzer 2008).

Ein Mangel an Sinn und Werten im Leben führt in den meisten Fällen langfristig zu Problemen und Frustrationen. Sowohl vorbeugend als auch behandelnd im Sinne einer psychotherapeutischen Behandlung hat sich der logotherapeutische Ansatz bewährt. Die in der Logotherapie übliche ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen als Einheit von Psyche, Körper und Geist bietet zahlreiche wirkungsvolle Möglichkeiten und therapeutische Methoden, die Psychohygiene und damit den gesundheitlichen Zustand auf der gesamten Ebene (bio-öko-psycho-sozial) zu verbessern.

 

Verwendete Literatur

Antonovsky, A. (1979). Health, stress and coping. London, Jossey Bass.

Biller, K. & Stiegeler, M. de L. (2008). Wörterbuch der Logotherapie und Existenzanalyse von Viktor Emil Frankl. Wien, Köln, Weimar, Böhlau.

Frankl, V. E. (2011). Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse. Mit den „Zehn Thesen über die Person“. Bern, Hans Huber, Hogrefe.

Grossarth-Maticek, R. (2003). Selbstregulation, Autonomie und Gesundheit: Krankheitsfaktoren und soziale Gesundheitsressourcen im sozio-psycho-biologischen System. Berlin, de Gruyter.

Hurrelmann, K. (2010). Gesundheitssoziologie. Eine Einführung in sozialwissenschaftliche Theorien von Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung. Weinheim, München, Juventa.

Rattner, J. & Danzer, G. (2008). Psychosomatik und Psychohygiene: Ein Gesundheitsbuch für Leib, Seele und Geist. Würzburg, Königshausen & Neumann.

WHO Word Health Organization (1946). Verfassung der Weltgesundheitsorganisation vom 22. Juli 1946. New York. Deutsche Übersetzung vom 7. April 1948. Genf. Online im Internet: URL: http://www.admin.ch/ch/d/sr/i8/0.810.1.de.pdf [Stand 2009-06-25]

Zsok, O. (2012). Vom Werden des Menschen – Logotherapie in der Krisen-Prävention. Psychohygiene und Immunität. Fürstenfeldbruck, Skript für die Grundausbildung Logotherapie am Süddeutschen Institut für Logotherapie und Existenzanalyse.

Was bedeutet Krise?

Das Wort „Krise“ stammt aus dem Griechischen (krísis) und kann mit den Begriffen Entscheidung, Zuspitzung oder entscheidende Wendung übersetzt werden (Ihle 2008). Für den Begriff „Krise“ gibt es mehrere Erklärungsansätze. Es existieren Begriffsklärungen aus psychologischer, pflegewissenschaftlicher oder medizinischer Perspektive aber auch im wirtschaftlichen und politischen Kontext ist das Wort Krise derzeit in aller Munde.

Allen Disziplinen gemein kann man Krise als ein überraschendes, beunruhigendes Ereignis beschreiben, das mit Einbußen oder mit Kränkungen verbunden ist und rasche Entscheidungen erforderlich macht. Durch eine Krise wird eine Schwächung verursacht (psychisch, sozial, körperlich, ökonomisch), die ursprünglich vorhandene Bewältigungsstrategien aushebelt und zu unangemessenen Reaktionen führen kann („Geringfügigkeiten“ werden zu großen unlösbaren Problemen). Doch wie es in chinesischen Schriftzeichen treffend charakterisiert wird, beinhaltet jede Krise auch eine Chance (Ihle 2008).

Thomas Hobbes, ein englischer Philosoph, beschrieb die Krise als eine Art „Katalysator persönlicher und sozialer Entwicklung“ (Hahn 1994). Krisen, die sich nicht verselbständigen und damit unbeherrschbar werden, bergen also neben ihren zerstörerischen und leidbringenden Konsequenzen auch eine Kraftreserve (Potenzial), welches den Menschen zu außergewöhnlichen Entwicklungsschritten bringen kann. Mit anderen Worten ist es also entscheidend für den Ausgang einer persönlichen „Krisengeschichte“, wie ein Betroffener mit einer Krise umgeht bzw. wie er im Idealfall mit ihr umgehen könnte und welches Verhältnis zwischen beiden Möglichkeiten besteht.

Jede Krise ist zunächst eine Notlage für den betroffenen Menschen und damit für seine persönliche Gesundheit, Freiheit und Selbstbestimmung. Der Ausgang einer Krise ist in erheblichen Ausmaß abhängig von der persönlichen Widerstandskraft (Resilienz), deren Fundament bereits in der Kindheit gelegt wird. Je nachdem wie die Eltern dem Kind Problemlösestrategien vermittelt haben bzw. dem Kind die Chance gegeben haben, selbst schwierige Situationen lösen zu dürfen, werden diese Widerstandskräfte entwickelt. Doch auch wenn die Widerstandskräfte nicht bereits in der Kindheit gebildet wurden, können Krisen im Erwachsenenalter überwunden werden. Entweder der Betroffene hat in der Vergangenheit bereits ähnliche Situationen -mit oder ohne Hilfe- erfolgreich gemeistert, oder es gibt es ein stützendes soziale Umfeld – oder der Betreffende holt sich professionelle Unterstützung beim Überwinden der Krise – und stärkt dadurch seine persönliche Widerstandskraft auch für die Zukunft.

 

Verwendete Literatur:

Hahn, U. (1994). Sinn suchen – Sinn finden: was ist Logotherapie? Göttingen, Zürich, Vandenhoeck & Ruprecht.

Ihle, J. (2008). Pflegerische Krisenintervention. Forschungsergebnisse – Unterrichtskonzept – Bearbeitung von Fallbeispielen. Wien, Facultas.

Was erhält den Menschen gesund? Das Konzept der Salutogenese

Die Theorie der Salutogenese (lat. salus = Gesundheit, Wohlbefinden, Heil, Glück; genese = Entstehung) wurde in den 1960er Jahren von Aaron Antonovsky (1923 – 1994) begründet. Er entwickelte sein Salutogenese-Modell als Gegenentwurf zu dem vorherrschenden biomedizinischen Gesundheits-Krankheits-Verständnis, welches vorwiegend auf die Defizite des Menschen – also krankheitsbezogen – ausgerichtet ist. Die salutogenetische Sichtweise hingegen betrachtet den Menschen hinsichtlich seiner Ressourcen und fragt danach, was ihn gesund erhält und nicht, was ihn krank macht. Ein entscheidender Faktor für die Gesundheit des Menschen ist das bereits in der Kindheit erworbene Kohärenzgefühl (Sense of Coherence). Er beschreibt die grundsätzlich Einstellung zum Leben und das Gefühl, sich seinen Herausforderungen gewachsen zu fühlen und eine Sinnhaftigkeit darin zu erkennen.

Antonovsky fand als Erklärung für sein Salutogenese-Konzept ein schönes Sinnbild:

Den Fluss des Lebens – er ist naturgemäß stellenweise mit Verunreinigungen und Steinen durchsetzt (Krankheiten, Schicksalsschläge, Probleme). Von Beginn an bis zum Lebensende durchlaufen wir unterschiedliche Phase in diesem Lebensfluss:

• es gibt Phasen, in denen wir uns einfach treiben lassen können und das sachte Dahingleiten im Fluss genießen (und dadurch neue Kraft schöpfen) dürfen

• und es gibt Phasen, in denen wir wachsam sein müssen und uns mit all unseren gelernten Widerstandskräften gegen die Irrungen und Wirrungen im Wasserlauf verteidigen müssen

Beide Phasen gehören zum Lauf des Lebens. Durch die Entwicklung von psychischen Widerstandskräften stärken wir unser Kohärenzgefühl und werden dadurch zu guten Schwimmern. Am Ende geht es darum, die Phasen zu unterscheiden und beides zum gegebenen Zeitpunkt verwirklichen zu können: Widerstandskräfte zu sammeln und den Herausforderungen auf unserem Weg etwas entgegenzusetzen – und bei all dem ein guter Schwimmer/eine gute Schwimmerin zu bleiben – aber auch die wunderbaren Momente der Ruhe und der Kontemplation zu genießen und Wert zu schätzen.